Die erste öffentliche Versammlung in Benrath wurde im Winter `28 mit Saalschutz
durch SA-Leute bei Goßmann in der Friedhofstraße abgehalten. Bis Mai `29 war die
Zahl der Mitglieder auf 30 angewachsen. Die erste parteiamtliche Bestätigung der
NSDAP Ortsgruppe Benrath im "Völkischen Beobachter" bescheinigt eine Aufnahme
der Ortsgruppenfunktion zum 1. Juni 1929. Zum Ortsgruppenleiter wurde Ludwig Kraft ernannt. In der Phase der organisatorischen Festigung bediente sich die Ortsgruppe in fortschreitendem Maße der Möglichkeit, das Benrather Tageblatt zu Propagandazwecken zu nutzen. Daneben fanden öffentliche Versammlungen, vorwiegend im Hotel Hesse sowie im Wagnerischen Saale in der Paulsmühle mit einer klaren Kampfansage gegen Parteigegner, statt. Die Ortsgruppenleitung war zu dieser Zeit einem schnellen Wechsel unterlegen: Kraft wurde bald von Parteigenosse Ernst Schwarz abgelöst, der seinerseits ebenso nur kurz die Leitung inne hatte, da die Ortsgruppe zwischenzeitlich für kurze Zeit zur Sektion degradiert wurde.

Die Kundgebungen häuften sich in der Folgezeit und auch
Gauleiter Florian hielt im März 1930 in Benrath eine Rede.
Zugleich wurde der Machtkampf mit Parteigegnern härter,
so daß SA und SS mehrfach bei Zusammenstößen eingesetzt
wurden. Auch im Jahr `31 wurde die Stimmungsmache der
NSDAP fortgesetzt: Florian sprach anläßlich einer
Großkundgebung nochmals in Benrath und der erste große
Propagandamarsch der Nationalsozialisten wurde unter
versorgender Mithilfe durch die NS-Frauenschaft durchgeführt.
Einen besonders großen Zuwachs an Stimmen für die NSDAP
sowie an Besuchern bei Kundgebungen hat die Ortsgruppe im
Jahr `32 erfahren. Einen Höhepunkt der nicht abreißenden Serie
von Saalveranstaltungen markiert der "braune Tag" am 17. Juli.

In Benrath gab es Gruppen von unterschiedlichen nationalsozialistischen Organisationen, deren Betrachtung
uns heute einen Eindruck davon vermittelt, wie sämtliche Bereiche des Lebens, d. h., nicht nur Politik, so
ndern auch Alltag, Kultur und Freizeit unter dem Einfluß der Nationalsozialisten standen.

Von weiteren nationalsozialistischen Untergruppierungen und Organisationen haben wir folgende fragmentarische Informationen:

Popagandaveranstaltung vor dem Benrather Schloss

NSDAP Ortsgruppe Benrath

Die offizielle Gründungsversammlung der NSDAP Ortsgruppe
Benrath fand am 1. März `28 statt. Zu Beginn ihrer politischen
Tätigkeit hatte die Ortsgruppe Schwierigkeiten, geeignete
Lokalitäten für Zusammenkünfte zu finden, da es unter Zentrum
und KPD verpönt war, Umgang mit den Nazis zu pflegen. Zu der ersten
Kundgebung, die daher noch in Holthausen stattfand, erschienen nur zwei Personen.

"Kraft durch Freude"

Die Vereinigung "Kraft durch Freude" (KdF) hatte ihre Räumlichkeiten in
der Benrather Schloßallee. Die KdF, der Deutschen Arbeitsfront untergeordnet, war eine nationalsozialistische Freizeitorganisation, die Standesunterschiede überwindend der deutschen Volksgemeinschaft günstige Möglichkeiten zu
Sport-, Freizeit- und Kulturveranstaltungen geboten hat.

Benrather Soldatenbund

 

KdF, Veranstaltung vor dem Benrather Schloss
Tag der Heimat 1939

Im Juni 1933 bildete die NS-Frauenschaft eine Jugendgruppe, deren erste Führerin Frau Krahwinkel wurde. Bei dem ersten öffentlichem Auftritt des BDM-Benrath vor der Bevölkerung, im November `33 im Schloßhotel, erhielt Frau Hilde von Ortsgruppenleiter Flämig das Zepter zur Führung der Mädels.

Die NS-Frauenschaft Benrath feierte am 31. Mai '33 die Einweihung eines eigenen Heims und die Weihung der Fauenschafts- und Hakenkreuzfahne. In Räumen des städt. Arbeitsamtes in der Hasselsstraße sollte dieses Heim als Stätte erfolgreicher nationalsozialistischer Frauenarbeit dienen. Frauenschaftsleiterin war zu dieser Zeit Antonie Fahle, Leiterin der Jugendgruppe war Ellen Müller.
Erst im Juni 1937 bezogen die Ortsgruppe der NS-Frauenschaft sowie das Deutsche Frauenwerk Räumlichkeiten in der Urdenbacher Allee 5. Hier sollte den Frauen der Raum "Mittelpunkt ihres Schaffens sein, von dem aus die geistigen Kraftströme ins Volk gehen" und die "Frauen den Männern immer wieder den Glauben an die Zukunft" wiedergeben. NS-Frauenschaft und Deutsches Frauenwerk umfaßten derzeit fast 1100 Mitglieder. Zu diesem Zeitpunkt war Frau Müller Ortsfrauenschaftsleiterin. Für das Jahr 1940 wird diese Position Johanna Knops zugeschrieben.

SS/SA und Marine-SA wurden bei Kundgebungen und Versammlungen eingesetzt, so z. B. im Jahr 1931 als es
bei einer Veranstaltung im Schloßhotel
zum Zusammenstoß mit Parteigegnern
kam. Auch bei den Feierlichkeiten anläßlich der Aufnahme in die HJ am 21. April `39 waren sie zugegen.
Hierdurch konnte die
nationalsozialistische Gesinnung
auch den privaten Bereich der
Menschen durchdringen.
Ebenfalls bei der NSDAP Ortsgruppe in der Urdenbacher Allee 5 beheimatet war das
Amt für Volkswohlfahrt
.

Ende 29, nach der Wiedererhebung zur Ortsgruppe wurde Alwin Flämig zum Ortsgruppenleiter ernannt, der die wesentliche Phase der nationalsozialistischen Aktivitäten in Benrath steuerte. Unter Flämigs Führung wurden Kundgebungen größer aufgezogen und propagandistisch inszeniert sowie die systematischen Behinderungen gegnerischer Versammlungen vorangetrieben. Hierbei galt es
vor allem, dem Druck der Benrather Bürger, die dem Rummel der Nazis skeptisch gegenüber
standen sowie den Gastwirten, die Versammlungen der Ortsgruppe in ihren Räumlichkeiten
nicht duldeten, entgegen zu wirken. So mußte beispielsweise für Zusammenkünfte wiederholt
das Lokal gewechselt werden, bis die Partei im Hotel Hesse und im Lokal Kohlleppel eine Bleibe
für längere Zeit gefunden hatte und sich die Bürger, noch einige Jahre vor der Machtübernahme,
mit der Tatsache der Existenz der Bewegung abgefunden hatten.
Die Benrather Ortsverwaltung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) hatte ihren Sitz in der Schloßparkstraße 1.
Im Zuge der Zerschlagung der Gewerkschaften 1933 gegründet, wurde die DAF bald zur Einheits-organisation mit Zwangsmitgliedschaft, die als
zentrales Element der Steuerung nach den Leitlinien der nationalsozialistischen Ideologie fungierte.

Am Alten Rhein 8 befand sich die NSB-Gauschule.

Nach der Machtübernahme am 30. Januar 1933 standen schließlich dem Tatendrang der Ortsgruppe keine Hindernisse mehr im Weg, so daß sie in den Folgejahren zahlreiche prunkvoll und propagandistisch arrangierte Veranstaltungen in Benrath inszenierten und im Verbund mit Unterorganisationen der NSDAP die Gleichschaltung
im Verständnis ihrer Gesinnung in allen Lebensbereichen lancierten.
In Benrath war die KdF beispielsweise bei der Wiederbelebung der Schloßspiele tätig, organisierte Konzerte im Stadtteil und beteiligte sich mit sportlichen Vorführungen bei Festen im Benrather Schloß,
z. B. beim Gauwandertag im Mai 1939.

 

Organisationen