Im
Zuge der Verhandlungen um Entschädigungen, die deutsche
Firmen ehemaligen Zwangsarbeitern zahlen sollten, ist das Thema
Zwangsarbeiter kein unbekanntes Kapitel der deutschen Geschichte.
Fast Jeder hat darüber etwas im Radio gehört, in der Zeitung
gelesen oder im Fernsehen gesehen. Das Thema
Zwangsarbeiter war in den Medien präsent und
damit in aller Munde.
Wenn man allerdings von Zwangsarbeitern spricht,
muss man zwischen verschiedenen Kategorien von
Arbeitern unterscheiden. Unter den Fremdarbeitern gab
es sowohl freiwillige Arbeiter, als auch "Zwangsarbeiter".
Nachdem Nazi-Deutschland halb Europa besetzt hatte,
und ein Großteil der deutschen Bevölkerung Wehrdienst
leisten musste, wurden Arbeitskräfte knapp und deutsche
Firmen und Fabriken brauchten neue Arbeiter. Zuerst setzte
man diejenigen Leute ein, die freiwillig nach Deutschland
kamen um zu arbeiten - z.B. aus Frankreich. Als diese Freiwilligen
nicht mehr ausreichten, übte man doch einen indirekten Zwang
aus. Das heißt, dass in den Besatzungszonen Arbeitspflicht
eingeführt wurde, oder dass wirtschaftliche Verhältnisse dort
schlechter gemacht wurden, um zu erreichen, dass mehr
Menschen von dort aus nach Deutschland abwanderten.
Diese Arbeiter wurden relativ gut behandelt.
Des Weiteren gab es nun die Zwangsarbeiter, die entweder aus den besetzten Gebieten
verschleppt wurden oder Kriegsgefangene waren. Auch bei den Zwangsarbeitern
wurde zwischen unterschiedlichen Kategorien unterschieden. So wurden Kriegsgefangene
aus dem Westen besser behandelt, als die sogenannten Ostarbeiter. Die Menschen
aus Polen, Russland oder aus anderen slawischen Ländern wurden als "Untermenschen"
betrachtet und dem entsprechend schlecht behandelt. Sie bekamen nur das Nötigste:
Minderwertige Nahrung und ein Bett.
Die meisten Arbeiter - egal ob Zwangs- oder Fremdarbeiter - waren in Deutschland
in Arbeitslagern untergebracht, in denen sie schliefen und ein Minimum an Erholungszeit
verbrachten.

Oh, ich habe
eine Menge Zwangsarbeiter
gesehen. Das waren für uns immer schwarze
Bündel von Kleidern. Meist waren es polnische
oder russische Frauen
oder Männer.
Zwei
Benratherinnen schildern ihre Erfahrungen:
Ja,
das ist ein ganz trauriges Kapitel.
In der Firma, in der ich beschäftigt war,
gab es Leute, die bei uns arbeiten mußten.
Es waren Russen, Franzosen, so viel ich weiß. Die haben sehr wenig zu
Essen bekommen. Man hat sie, ja geschlagen kann man nicht sagen, man hat sie
drangsaliert. Und sie kamen überhaupt nicht mit Deutschen in Berührung.
Es war strengstens verboten, die anzusprechen, wenn man schon mal jemanden auf
dem Hof gesehen hat. Nur nicht ansprechen. Es sickerte nachher durch, daß
sie wenig zu Essen kriegten, daß sie oft Hunger hatten. Also es war eine
ganz scheußliche Situation. (Hilde E.)


Die Ausländer die hier waren, wurden draussen zu schwersten
Arbeiten benutzt. Zum Beispiel wenn wir einen großen Alarm
hatten in Düsseldorf, dann waren sie die ersten, die mit
Lastwagen rangebracht wurden und die dann sofort anfingen,
die Straßen aufrecht zu erhalten, die Schienen wieder zu legen,
die Straßenbahnen, die umgekippt waren die wurden dann so
schnell wie möglich wieder aufgerichtet. Also die mussten
wahnsinnig schwer arbeiten. Ich bin sicher, daß die nicht
allzuviel zu Essen gekriegt haben. Einmal bin ich mit meiner
Mutter ins Dorf gegangen zum Einkaufen. Vorher hatte sie mir
gesagt, wir haben fast nichts mehr auf unserer Markenrationskarte,
wir müssen sehen, ob wir was bekommen. Dann sind wir ins Dorf gegangen,
Benrodestrasse runter und auf einmal ging da eine ganze Gruppe von Ausländern,
ausländischen Zwangsarbeitern, vor uns her und dann merkte ich, daß
meine Mutter in ihrer Tasche rumkramte und dann auf einmal flatterte irgendwas
auf den Boden. Und dann sagte ich: "Du hast da was verloren". "Tsch,
sag nichts. Geh nur weiter." Und dann habe ich hinterher gefragt: "Was
hast du denn gemacht?" Und dann sagte sie: "Ach ich habe nur ein Brotcoupon
fallen gelassen." Und dann sagte ich: " Wieso, warum denn? Wir haben
doch selbst nichts." Und dann sagte sie "Ja, aber die haben noch weniger".
Ich habe es persönlich erlebt bei einem Verwandten, wo eine junge Russin
arbeitete. Die hatten 4 oder 5 Kinder und da musste sie in dem Haushalt arbeiten.
Da habe ich selbst erlebt, obwohl es meine Verwandten waren, daß sie trotzdem
nicht besonders gut behandelt wurde. Und nachts, abends, wurde sie oft abgeholt
von den SS-Leuten und dann wurde sie morgens wieder zurückgebracht. (Blewett)
Grundinformation
Arbeitslager